Theologisch-Pädagogisches Institut (TPI) in Moritzburg

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Einige Überlegungen zur politischen Instrumentalisierung Martin Luthers durch die deutsche Historiographie im neunzehnten und zwanzigsten Jahrhundert

Artikel in "Zeitgeschichte"

Die Instrumentalisierung Luthers für politische und sinnstiftende Zwecke durch die deutsche Historiographie war im neunzehnten und zwanzigsten Jahrhundert vordergründig. Die These des Artikels lautet, dass die über Luther beabsichtigte Verfestigung einer sozialistischen und nationalen Identität der DDR einerseits, und die Abgrenzung von der Bundesrepublik andererseits, den vorläufig letzten, groß angelegten Versuch einer aktiven politischen Instrumentalisierung Luthers in Deutschland darstellt. Dieses ostdeutsche Bestreben, das sich vor allem in der Geschichtswissenschaft zeigte, hatte aber kontraproduktive Folgen. Der politische Appell an eine gesamtdeutsche historische Persönlichkeit wie Martin Luther konnte m.E. nicht einen deutschen Teilstaat teilweise legitimieren, sondern bewirkte eher das Gegenteil, nämlich die unterschwellige Stimulans gesamtdeutscher Affinitäten und Kohäsionskräfte. Selbstverständlich haben DDR-Historiker hier nicht nolens volens die Wiedervereinigung - ein Politikum höchsten Grades - angestrebt, aber, unbewußt und ungewollt, unter Zuhilfenahme des politisierten Luthers, an der wohl längeren Vorgeschichte der deutschen Einheit mitgewirkt.


Der Artikel wurde veröffentlicht in: "zeitgeschichte", 22. Jahrgang, Juli/August ,Wien 1995, Heft 7/8, S. 233-249.

Das Material ist eingeordnet in der Kategorie "Texte / Zeitschriftenartikel".
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Link-Referenzen:
[1] http://www.janhermanbrinks.com/

 
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