Theologisch-Pädagogisches Institut (TPI) in Moritzburg

Materialien zur Reformation [www.tpi-moritzburg.de/reformation/]




Die Anderen: (II) Didaktische Hinweise


4 Die Anderen



Didaktische Hinweise



Die Lehrpläne für das Fach Geschichte stellen das Reformationsthema in den Kontext der Konfessionalisierung Europas. Damit ist der Blick über das „Heilige Römische Reich deutscher Nation“ hinaus gegeben. Modelle des bilingualen Geschichtsunterrichts eröffnen dabei besonders den Blick auf die Entstehung der Anglikanischen Kirche, welche eine Reformation unter völlig anderen Vorzeichen darstellt. Englischsprachige Quellen zum Thema sind auf dem deutschen Schulbuchmarkt leider immer noch rar gesät.
Alle oben genannten Themen handeln von historischen Kontroversen. Insbesondere in der Sekundarstufe II lohnen sich geschichtstheoretische Reflexionen über die Multiperspektivität von Welt- und Glaubensentwürfen (z.B. in der Frage der Stellung zur Obrigkeit) und die Verschränkung von ideologischen Überzeugungen und politischen Interessen. Aber auch der Charakter der Gewordenheit der pluralkonfessionellen Gestalt in einer immer vielfältigeren Ausdifferenzierung, wie wir das Christentum kennen, ist erst verständlich von den Kontroversen der Reformationszeit her.
Im evangelischen und katholischen Religionsunterricht ist das Thema Reformation und heutiges Ringen um die Ökumene verortet. Im Bereich der „Ekklesiologie“ (in der gymnasialen Oberstufe) sollten theologischen Fragen der konfessionellen Differenzen einen deutlichen Fokus erhalten.

Die Schülerinnen und Schüler sollen auf methodischer Ebene:
-Quellen auf die in ihnen sich zeigenden Glaubensüberzeugungen und Interessen hin analysieren (Analysekompetenz),
-die unterschiedliche Gestalt der reformatorischen Strömungen visualisieren (Urteilskompetenz).

Die Schülerinnen und Schüler sollen inhaltlich:
-einen Überblick über die Pluralität der konfessionellen Strömungen und die Differenziertheit der reformatorischen Bewegung gewinnen (Wahrnehmungs- und Urteilskompetenz),
-an exemplarischen Fragen diese Differenziertheit darstellen (Analyse-, Deutungskompetenz),
-langfristige Entwicklungen hin zu einer religiösen und konfessionellen Diversität auf die ihnen zugrundeliegenden historischen Konflikte zurückführen (Urteilskompetenz)
-und damit in zwischen den Konfessionen auch heute noch strittigen Fragen inhaltlich fundiert sprachfähig werden (Orientierungs-, Kommunikations-, Partizipationskompetenz).

Relevanz des Themas für die Gegenwart



Ein immer wiederkehrendes Thema der Kirchen heute ist die „Ökumene“, das Streben der Kirche nach Einheit. Es gibt aber enorme Unterschiede in der Frage, wie diese Einheit überhaupt aussehen soll, etwa das Modell „versöhnter Verschiedenheit“ oder das „Papstamt als Zeichen sichtbarer Einheit“. Trotz eines erreichten Konsenses in vielen Fragen sind entscheidende Streitpunkt bis heute nicht geklärt. Sie gehören vielmehr untrennbar zur Geschichte der konfessionellen Auseinandersetzung und zum konfessionellen Profil der Kirchen. Eine Konfession, die hier von diesem Profil abwiche, müsste damit zwangsläufig ihre eigene Geschichte preisgeben und ihre Identität verleugnen.
Um in aktuellen Fragen von der faktischen Diversität der Kirchen und dem Streben nach wachsender Übereinstimmung und immer größerer gegenseitiger Anerkennung qualifiziert mitreden zu können, bedarf es eines Verständnisses für die historischen Wurzeln der Konfessionen und ihrer in Abgrenzungs- und Profilbildungsprozessen gewonnenen Identität. Die Kontroverse etwa um die Frage, die in Feuilletons und theologischen Fachzeitschriften zu verfolgen war, wie weit die katholische Kirche überhaupt mit den evangelischen Kirchen das 500jährige Jubiläum der Reformation mitfeiern könne, hat ihre Wurzeln in einer jahrhundertelangen Konfliktgeschichte.

Methodische Entscheidungen



Aus dem vorliegenden Modul ergeben sich einzelne Themenfelder, die jeweils auf eine Einzel- oder Doppelstunde zugeschnitten sind. Eine fächerübergreifende Kooperation bietet sich hier besonders mit dem Fach Religion an, da die theologischen Profile der verschiedenen Konfessionen anhand exemplarischer Konfliktfelder nachvollzogen werden können.

A Die Lehre der Konfessionen in der Reformationszeit


(Sekundarstufe I oder II, Geschichts- und Religionsunterricht)

Die Beschäftigung mit den Ideen der Reformatoren muss sich hier auf exemplarische Elemente beschränken. Uneinig waren sich die Reformatoren untereinander vorallem in der Frage des Sakramentenverständnisses (Vgl. Baustein Luther selbst). Die theologische Tiefe dieser Fragestellungen legt eine Verwendung des angegebenen Materials (Vgl. Darstellung 1, 2 und 3) eher im Religionsunterricht nahe als im Geschichtsunterricht, wo weiterführende Recherchearbeiten zur Kontextualisierung der Streitfragen notwendig wären. Um der systematischen Zusammenschau der Lehre willen, wurde hier auch stärker auf Darstellungstexte zurückgegriffen. Beim Vergleich der theologischen Positionen wäre eine Tabelle zu erarbeiten, die die Spezifika der reformatorischen Lehren in Abgrenzung zur alten (römisch-katholischen) Lehre visualisiert. Aber auch die Gemeinsamkeiten, wie die Fundierung im sola-scriptura-Prinzip lassen sich zwischen den Zeilen herausarbeiten.
Eine Analyse des Konzilstextes von Trient als katholische Reaktion auf die neuen Lehren hilft dem Verständnis durch die Profilbildung der Konfessionen (Vgl. Gegenreformation). Auch lässt der Konzilstext die Interessen der katholischen Kirche durchscheinen: Wahrung und Behauptung der eigenen Tradition und des Anspruchs auf das Lehrmonopol (Vgl. Quelle 4). Dieser Text ist auch für eine Klausur geeignet, weswegen er mit alternativen Arbeitsaufträgen dort erneut angeboten wird (Vgl. III Klausur). Für den Geschichtsunterricht eignet sich eine Analyse des Zürcherischen Sittenmandats und einer Karte, welche die Ausbreitung der reformatorischen Bewegung innerhalb Europas in ihren unterschiedlichen Ausprägungen zeigt (Vgl. Darstellung 4).

B Die Entstehung der Täuferbewegung in Zürich


(Sekundarstufe I)

Die Quellen zur Entstehung der Täuferbewegung in Zürich wurden sprachlich aufbereitet, sodass die Alterität der Originale einer Verwendung in der Sekundarstufe I nicht entgegenstehen. Die hier aufgeführten Quellen können als weiteres Beispiel für eine allein dem Evangelium und nicht kirchlicher Tradition verpflichtete Theologie stehen (Vgl. Quelle 1 und 2). Als Einstieg wäre denkbar, dass in einem Brainstorming Argumente überlegt und anschließend diskutiert werden, die dafür oder dagegen sprechen, Kinder zu taufen (Vgl. auch die Tabelle Darstellung 1). Sollte das Kriterium der Schriftbezeugung genannt werden, kann mithilfe einer Bibelkonkordanz überprüft werden, welche Taufbewerber in einschlägigen Bibelstellen genannt werden (exemplarisch: Mt 3,6; 28,19; Mk 1,4.8; 16,16; Joh 3,22; 4,1; Apg 2,38; 10,47; 16,15; 22,14-16; 1 Kor 12,13; Gal 3,27; 1 Petr 3,21).
Die Geschichte des Täuferreichs von Münster kann mit dem Fernsehfilm „König der letzten Tage“ oder mit Ausschnitten daraus thematisiert werden.

C Martin Luther und Thomas Müntzer


(Sekundarstufe II)

Um Spannung und Neugier für das Thema zu erzeugen, eignet sich Quelle 1 für den Einstieg. Um welche Aufrührer es geht, kann aus einer zuvor und an dieser Stelle thematisierte Thematisierung der Bauernaufstände geklärt werden. Anschließend kann in Gruppenarbeit das Verhältnis Luthers und Müntzers zu den Bauernaufständen erarbeitet werden und in einem Streitgespräch zwischen Anhängern beider Reformatoren inszeniert werden (Vgl. Quelle 2 und 3). Die Originalsprache der Quellen erlaubt eine Alteritätserfahrung, fördert die Fragehaltung der SuS und zwingt nicht zuletzt zum genauen Lesen, was der Gründlichkeit der Quellenanalyse dient. Die sprachlich modernisierte Fassung kann zu Differenzierungs- bzw. Unterstützungszwecken ausgelegt oder ausgegeben werden. Zur Sicherung, als Klausurgrundlage oder auch mit geänderten Arbeitsaufträgen als alternativer Einstieg kann der Auszug aus der graphic novel „Luther“ verwendet werden (Vgl. Darstellung 1).

D Henry´s Break from Rome


(Sekundarstufe I, bilingualer Unterricht)

An vielen Schulen wird bilingualer Geschichtsunterricht, meistens in englischer Sprache angeboten. Das Thema dieses Moduls nimmt Blick auf die gesamteuropäische Situation im Reformationszeitalter. Da bietet es sich an, auch die besondere Situation der Reformation in England (vorallem der anglikanischen Kirche) zu betrachten. Zu diesem Zweck seien einige englischsprachige Quellen mit Arbeitsaufträgen angegeben, die einen Überblick über die englische Perspektive auf die Reformation verschaffen sollen (Vgl. Quellen 1, 2 und 3).

Ein Allgemeiner Hinweis zu den Aufgabenstellungen



Die Arbeitsaufträge sind in der Regel nach dem folgenden Prinzip aufgebaut: Zunächst geht es um die Analyse der Quelle, die weiterführenden Aufgaben setzen jedoch oftmals ein tiefergehendes Wissen um den Kontext voraus. Hier steht der Gedanke der Vernetzung von Wissensmodulen im Hintergrund. Diese Aufgaben sind am besten mithilfe der anderen Themenmodule oder unterstützt durch Internet- oder Bibliotheksrecherchen zu beantworten.

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